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Papa kannst du mir Geld leihen?

Die Leistungen der Alten

Ich will hier auch mal eine Lanze für die Alten brechen. Deren Position und „Bedeutung“ inmitten unserer Wachstumsverliebten Gesellschaft wird ja gerade wieder heftig diskutiert.

Beispiel Renteneintrittsalter. Unsere Lebenserwartung steigt. Das ist natürlich eine wunderbare Sache, führt aber gesamtgesellschaftlich schnell zu Problemen. Wie jeder weiß sind unsere Sozialsysteme auf Solidarität aufgebaut, was jedoch im Falle einer erwarteten Überalterung nicht mehr funktionieren kann. Nur eine extreme Überlastung der mittleren Generationen mit Steuern und Arbeitskraft könnte die Zunahme an Rentnern vielleicht verkraften, allein realistisch ist das nicht. Das Konzept der Zuwanderung ist auch kein Allheilmittel, wird es doch schon und hinter den Kulissen seit Jahrzehnten versucht. Dabei wird deutlich, dass vor allem Wirtschaftsflüchtlinge Arbeit und Auskommen suchen, die, das sagt schon ihr Name, vor einer offenbar unfähigen Wirtschaft zu Hause geflohen sind! Wie und mit welchen Kenntnissen sollen die in Deutschland eine sozialversicherungspflichtige Arbeit aufnehmen? Werden doch vorgeblich nur Fachkräfte gesucht! Aber das Problem wird uns hier noch weiter beschäftigen, denn auch mein stressiger Alltag ist oft genug von der Frage nach gerechter Lastenverteilung geprägt.
Beispiel: Altersarmut. Es kann doch nicht angehen, dass Leute ihr ganzes Leben lang arbeiten, oft genug schwer, sich dann aber aus welchen Gründen auch immer scheiden lassen und in der Rente nur über ein paar läppische Kröten verfügen! Andere wiederum erben Millionen und leben in Saus und Braus. Man sollte endlich anfangen, ein funktionierendes und abdeckendes Betreuungsnetz aufzubauen, welches die Leute Ernst nimmt und die arbeitende Bevölkerung entlastet. Ich werde dann gleich von meiner Suche nach einer Pflegekraft aus Polen berichten, was nicht so einfach und auch sicher einfacher gewesen wäre, wenn sich unsere Politiker und Entscheider etwas intensiver mit dem Problem auseinandersetzen würden! Es kann doch nicht sein, dass jemand sein ganzes Vermögen aufbrauchen muss, nur um im Alter einigermaßen versorgt zu sein, dabei oft genug nur den lächerlichsten Standard in anonymen Heimen erfährt, obwohl seine Hände oder ihr Hirn dieses Land überhaupt erst aufgebaut haben.

Meiner Meinung ist der Umgang mit der alten Generation beschämend und zugleich richtig lächerlich. In Amerika dürfen Professoren solange lehren wie sie wollen und wenn dadurch die Stelle für den Nachwuchswissenschaftler belegt ist, ja dann werden eben neue Stellen geschaffen! Wir sollten endlich anerkennen, dass der Mensch wertvoll und nützlich für alle bleibt, solange er lebt und bereit und in der Lage ist, sich am gesellschaftlichen Prozess zu beteiligen. Und wenn er stattdessen lieber die Einsamkeit im Alter sucht, so bleibt das allein seine Sache und ist gefälligst zu respektieren! Man sollte lieber aufhören, die (wenigen) Kinder endlos zu verhätscheln oder auch zu überfordern und stattdessen sich auch wieder mehr um Oma und Opa kümmern.


Warum wir eine Polin als Pflegerin eingestellt haben

Als mein Vater vor einiger Zeit einen unter alten Leuten gefürchteten Oberschenkelhalsbruch erlitt, er war im Winter beim Schneeschippen ausgerutscht, war es nach dem Aufenthalt im Krankenhaus mit dem selbstständigen Leben auf dem Land vorbei. Das Gehen fiel ihm immer schwerer und meine Mutter, ebenso über 80, war mehr oder minder auf dem Hof auf sich allein gestellt. Das konnte natürlich nicht funktionieren und so boten wir den beiden an, bei uns mit einzuziehen. Ein Heim kam nicht in Frage, das wollten sie nicht, zumal meine Mutter noch recht rüstig ist. Die üblichen Verrichtungen des Alltags wie Putzen, Bügeln oder Kochen fallen aber auch ihr nicht mehr so leicht und so begannen wir gemeinsam, über die Einstellung einer Pflegekraft zu diskutieren. Mein Vater selbst ist zwar nicht bettlägerig, sitzt aber am liebsten auf dem Balkon in der Sonne, sortiert seine Briefmarken oder schaut Fussballspiele. Das Gehen und auch das Waschen fällt ihm schwer. Meine beiden Eltern müssen zudem eine Reihe von Medikamenten einnehmen, gegen die üblichen Alterserscheinungen wie Bluthochdruck und so weiter.
Nun ist es in Deutschland gar nicht so einfach, eine Pflegerin zu finden. Klar, es gibt den Pflegeservice, der immer vorbei kommt, die Leute füttert, wäscht und wenn nötig auch spritzt, aber das ist bei uns ja noch gar nicht nötig! Wir brauchten eigentlich nur eine Art höhere Haushaltshilfe, die aber nach Möglichkeit immer erreichbar ist, da ich selbst oft im Ausland bin, meine Frau ziemlich gestresst ist und unsere Kinder, naja, die sind kaum in der Lage als Hilfe für solche Sachen zu dienen, die haben ganz andere Dinge im Kopf.
Deshalb kamen wir dann schließlich auch auf die Pflegekraft aus Polen. Ein Bekannter hat mir empfohlen, mal darüber nachzudenken, die Pfleger aus unserem östlichen Nachbarland wären sehr fleißig, gut ausgebildet und im Vergleich zu deutschen Fachkräften auch bezahlbar. Auch rechtlich ist das Ganze, wie wir bald herausfanden, kein Problem mehr, gelten doch seit 2011 die vollen Rechte zur Freizügigkeit in der EU.

Suchen und Finden

Aber wie findet man denn überhaupt eine Pflegekraft aus Polen? Im Internet gibt es eine Menge Angebote, etwa bei help4seniors und dergleichen, doch woher sollten wir wissen, wer für Qualität und wer nur für den Discountpreis steht? Also wandten wir uns zunächst an das Arbeitsamt, das aber – wie auch nicht anders zu erwarten – keine Hilfe war. Manchmal frage ich mich, wofür die dort tätigen Leute eigentlich bezahlt werden: Sie erwarten von den Arbeitslosen, dass diese sich selbst um Arbeit bemühen und wenn jemand eine Arbeitskraft sucht, in meinem Fall eben mal nicht von hier, dann sind alle heillos überfordert. Ich meine, es heißt doch „Arbeitsagentur“ – oder? Aber gut, egal, dann suchten wir eben weiter im Netz und fanden eben mit help4seniors einen Anbieter, der uns sympathisch war. Wir vereinbarten per mail ein Telefongespräch und teilten dem Mitarbeiter unsere Vorstellungen mit: Eltern noch nicht pflege-, aber stark hilfebedürftig, nach Möglichkeit wünschten wir eine Vollzeitbetreuung mit der Möglichkeit, in einer kleinen Einliegerwohnung zu wohnen, um im Notfall gleich für meine Eltern da sein zu können. Und Ihr werdet überrascht sein – schon die erste uns offerierte Dame wurde die unsrige! Das klappte alles schnell, absolut seriös und zuverlässig. Eine Woche nach dem Telefongespräch und dem Abklären der Formalitäten stand Gabriela vor unserer Tür! Sie sprach ein gutes Deutsch und legte sich sofort ins Zeug.

Eine echte Hilfe

In den ersten Tagen machte sie sich mit den Verhältnissen vertraut und meine Eltern waren begeistert. Meine Mutter kommt ursprünglich aus Schlesien, Gabriela aus Wroclaw, dem alten Breslau, und so ergeben sich ständig interessante Gespräche, an denen ich mich sogar manchmal beteilige. Es ist einfach spannend, den Leuten zuzuhören und dabei zu erkennen, wie wunderbar doch ein sich vereinendes Europa ist! Alle, die immer nur auf die EU schimpfen, sollten wissen: Das EU-Parlament wird von uns allen frei gewählt, wir haben keine nervigen Grenzen mehr und eine gemeinsame Währung und damit einen Markt. Früher hätten wir Gabriela wahrscheinlich niemals zusammen mit dieser Rechtssicherheit bekommen!
Wir zahlen jeden Monat um die 1800 Euro an die Agentur. Hinzu kommen die Kosten für Speis und Trank und für ihr Unterkunft. Dafür wohnt Gabriela gleich bei uns, wäscht und putzt und kocht und tut auch sonst alles, um meine Eltern zu entlasten. Allerdings ist sie als Polin nicht berechtigt, irgendwelche medizinischen Leistungen durchzuführen – die bei meinen Eltern aber auch noch nicht nötig sind. In diesem Fall, etwa zum Spritzen, müsste dann eine Pflegekraft einer deutschen Pflegefirma vorbeikommen. Ihr Job gilt lediglich als Haushaltshilfe, mal wieder so eine bürokratische Verirrung aus Brüssel und Berlin, denn Gabriela ist in der Altenpflege ausgebildet und beherrscht zur Not wirklich jeden Handgriff. Aber ich verstehe auch, dass man das hiesige Lohnniveau schützen will und muss und für viele Polen ist selbst ein für uns eher gering erscheinendes Gehalt eine gute Gelegenheit. Das ist wirklich eine gute Sache und wirklich empfehlenswert. Sie ist 24 Stunden da, wohnt gleich mit hier im Haus und versteht sich blendend mit meinen Eltern. Mein Vater, eher eine schweigsame Natur vom Lande, der früher am liebsten in der Morgenfrische aufs Feld ging, lebt nochmal richtig auf in den Gesprächen!
Durch den Vertrag mit der Agentur haben wir auch keinerlei rechtlichen Aufwand. Da wird alles geregelt, Urlaubs- und Arbeitszeiten (Wobei Gabriela nun wirklich nicht auf die Uhr schaut und oft genug am Abend mit meinen Eltern Karten spielt oder sich unterhält) sind genau festgelegt. Früher mussten die Leute auf der Suche nach einer polnischen Kraft oft illegale Umwege gehen, die Pfleger waren nicht versichert und so weiter und so fort. Das ist nun alles anders und hat uns wirklich sehr geholfen. Meine Eltern jedenfalls möchten Gabriela nicht mehr missen und wenn sie eines Tages eine stärkere, auch medizinische Betreuung benötigen, dann werden wir alles tun, um das hier bei uns durchführen zu lassen und Gabriela als Haushaltshilfe auf jeden Fall behalten.


Dad Gone Mad

Hi Leute, hier schreibt Euch einer dieser angeblich überbezahlten und definitiv überlasteten Väter.
Wir Väter (und Männer) sind ja mittlerweile ein großes Thema: So wird das Ende der Männer ausgerufen, ein neues Vaterbild aufgestellt und diskutiert, werden wir Väter vor ganz neue Herausforderungen gebracht, die wir bitteschön mit unserer genuinen Kraft und unserem dann doch wieder akzeptablen Verstand lösen sollen. Mich nervt das ein bißchen und ich finde sowohl Gleichmacherei wie auch überzogene Differenzierung bei der Geschlechterfrage unangebracht. Man sollte sich mal fragen, wie der Alltag von Müttern und Vätern gleichermaßen aussieht und ein gerechtes Urteil, wie es denn sein sollte, kann sich nur durch Erfahrung herausbilden.
Mein Alltag jedenfalls ist echt stressig und so hab ich meinen Blog auch dementsprechend benannt. Ich arbeite als Büroleiter in einem mittelständischen Unternehmen, das viel nach Asien und Amerika exportiert und ich bin hin und wieder auch gezwungen, entsprechend lange Reisen zu unternehmen. Ich sage gezwungen, weil ich das Reisen schon sehr mag, mittlerweile aber eine gar nicht so kleine Familie habe, die mich natürlich genauso braucht wie das die Firma immer gerne vorgibt. Wir leben quasi alle unter einem Dach: Meine Frau und ich, unsere drei Kinder (2 Töchter im schwierigen pubertierenden Alter, ein Sohn, der kurz vor dem Eintritt in diese für Eltern so wunderbar aufschlussreiche Phase steht) und meine Eltern. Die Eltern meiner Frau leben in Thailand, sie genießen dort die Sonne und den preiswerten Pflegeservice. Und das ist auch so ein Ding, dass mich in Atem hielt: Da mein Vater mittlerweile pflegebedürftig ist, hätten wir ihn beinahe in ein Heim geben müssen, was meiner Mutter (und ihm auch nicht) kaum zusagte. Heim ist Heim, gleich wie gut angestrichen die Häuser auch sind und wie freundlich sich die Mitarbeiter geben. Ja, aber nun findet mal eine bezahlbare Vollzeitpflegekraft! Gar nicht so einfach, bis wir auf die Idee kamen, eine Pflegerin aus Polen einzustellen. Sie hilft uns nun ungemein und das hat mich so begeistert, dass ich später hier dazu auch mal einen Eintrag verfassen werde.
Dazu kommt ein oft genug stressiger Alltag, denn zwei Mädchen, die 14 und 16 Jahre alt sind, verlangen einem Vater viel ab: „Papa, kannst Du mir Geld „leihen“ ? „Kannst Du mich dort abholen?“ „Kannst Du mich wegen dieses Idioten neulich trösten?“ Und so weiter und so fort. Meine Frau arbeitet als Lehrerin, was schon lange kein dankbarer Beruf mehr ist: Angeblich innovative Lehrmethoden, die unsinnigen Mehraufwand bedeuten, ständige Umstellungen der Lehrpläne, Heimarbeit, auch abends und an den Wochenenden – meine Frau ist echt fleißig und korrekt und zudem auch noch Deutsch- wie Englischlehrerin! Das erfordert Muße und Fleiß und so bleibt eben manches an mir hängen. Aber der Papa wird’s schon richten – so doch die Pointe des alten deutschen Schlagers von Gerhard Bronner!
In der Ruhe liegt die Kraft, sage ich mir oft, und könnte doch manchmal echt verzweifeln. Keine Sorge, ich stehe nicht kurz vorm Burnout oder so, ich kann Stress tatsächlich in positive Energie umwandeln, aber hin und wieder fragt man sich doch: Wozu das Ganze? Und wie es noch weiter durchstehen? Meine Antwort: Schreiben hilft! Es ist eine Entlastung für die Seele und den ansonsten von allen möglichen Dingen beanspruchten Geist. Beim Schreiben kann ich wunderbar abschalten und da ich nicht sonderlich fantasiebegabt bin, schrieb ich lieber Tagebuch als erfundene Geschichten. Und warum sich und seine Erfahrungen nicht anderen mitteilen? Sicher geht es so manchem Vater wie mir – weshalb ich mich entschlossen habe, künftig hier diesen Blog zu verfassen. Viel Spaß beim Lesen!