Dad Gone Mad

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Hi Leute, hier schreibt Euch einer dieser angeblich überbezahlten und definitiv überlasteten Väter.
dad gone madWir Väter (und Männer) sind ja mittlerweile ein großes Thema: So wird das Ende der Männer ausgerufen, ein neues Vaterbild aufgestellt und diskutiert, werden wir Väter vor ganz neue Herausforderungen gebracht, die wir bitteschön mit unserer genuinen Kraft und unserem dann doch wieder akzeptablen Verstand lösen sollen. Mich nervt das ein bißchen und ich finde sowohl Gleichmacherei wie auch überzogene Differenzierung bei der Geschlechterfrage unangebracht. Man sollte sich mal fragen, wie der Alltag von Müttern und Vätern gleichermaßen aussieht und ein gerechtes Urteil, wie es denn sein sollte, kann sich nur durch Erfahrung herausbilden.
Mein Alltag jedenfalls ist echt stressig und so hab ich meinen Blog auch dementsprechend benannt. Ich arbeite als Büroleiter in einem mittelständischen Unternehmen, das viel nach Asien und Amerika exportiert und ich bin hin und wieder auch gezwungen, entsprechend lange Reisen zu unternehmen. Ich sage gezwungen, weil ich das Reisen schon sehr mag, mittlerweile aber eine gar nicht so kleine Familie habe, die mich natürlich genauso braucht wie das die Firma immer gerne vorgibt. Wir leben quasi alle unter einem Dach: Meine Frau und ich, unsere drei Kinder (2 Töchter im schwierigen pubertierenden Alter, ein Sohn, der kurz vor dem Eintritt in diese für Eltern so wunderbar aufschlussreiche Phase steht) und meine Eltern. Die Eltern meiner Frau leben in Thailand, sie genießen dort die Sonne und den preiswerten Pflegeservice. Und das ist auch so ein Ding, dass mich in Atem hielt: Da mein Vater mittlerweile pflegebedürftig ist, hätten wir ihn beinahe in ein Heim geben müssen, was meiner Mutter (und ihm auch nicht) kaum zusagte. Heim ist Heim, gleich wie gut angestrichen die Häuser auch sind und wie freundlich sich die Mitarbeiter geben. Ja, aber nun findet mal eine bezahlbare Vollzeitpflegekraft! Gar nicht so einfach, bis wir auf die Idee kamen, eine Pflegerin aus Polen einzustellen. Sie hilft uns nun ungemein und das hat mich so begeistert, dass ich später hier dazu auch mal einen Eintrag verfassen werde.
Dazu kommt ein oft genug stressiger Alltag, denn zwei Mädchen, die 14 und 16 Jahre alt sind, verlangen einem Vater viel ab: „Papa, kannst Du mir Geld „leihen“ ? „Kannst Du mich dort abholen?“ „Kannst Du mich wegen dieses Idioten neulich trösten?“ Und so weiter und so fort. Meine Frau arbeitet als Lehrerin, was schon lange kein dankbarer Beruf mehr ist: Angeblich innovative Lehrmethoden, die unsinnigen Mehraufwand bedeuten, ständige Umstellungen der Lehrpläne, Heimarbeit, auch abends und an den Wochenenden – meine Frau ist echt fleißig und korrekt und zudem auch noch Deutsch- wie Englischlehrerin! Das erfordert Muße und Fleiß und so bleibt eben manches an mir hängen. Aber der Papa wird’s schon richten – so doch die Pointe des alten deutschen Schlagers von Gerhard Bronner!
In der Ruhe liegt die Kraft, sage ich mir oft, und könnte doch manchmal echt verzweifeln. Keine Sorge, ich stehe nicht kurz vorm Burnout oder so, ich kann Stress tatsächlich in positive Energie umwandeln, aber hin und wieder fragt man sich doch: Wozu das Ganze? Und wie es noch weiter durchstehen? Meine Antwort: Schreiben hilft! Es ist eine Entlastung für die Seele und den ansonsten von allen möglichen Dingen beanspruchten Geist. Beim Schreiben kann ich wunderbar abschalten und da ich nicht sonderlich fantasiebegabt bin, schrieb ich lieber Tagebuch als erfundene Geschichten. Und warum sich und seine Erfahrungen nicht anderen mitteilen – selbst wenn es um skurrile Theme wie die japanische Toilette und Dusch WC Aufsätze geht? Sicher geht es so manchem Vater wie mir – weshalb ich mich entschlossen habe, künftig hier diesen Blog zu verfassen. Viel Spaß beim Lesen!