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Warum wir eine Polin als Pflegerin eingestellt haben

Als mein Vater vor einiger Zeit einen unter alten Leuten gefürchteten Oberschenkelhalsbruch erlitt, er war im Winter beim Schneeschippen ausgerutscht, war es nach dem Aufenthalt im Krankenhaus mit dem selbstständigen Leben auf dem Land vorbei. Das Gehen fiel ihm immer schwerer und meine Mutter, ebenso über 80, war mehr oder minder auf dem Hof auf sich allein gestellt. Das konnte natürlich nicht funktionieren und so boten wir den beiden an, bei uns mit einzuziehen. Ein Heim kam nicht in Frage, das wollten sie nicht, zumal meine Mutter noch recht rüstig ist. Die üblichen Verrichtungen des Alltags wie Putzen, Bügeln oder Kochen fallen aber auch ihr nicht mehr so leicht und so begannen wir gemeinsam, über die Einstellung einer Pflegekraft zu diskutieren. Mein Vater selbst ist zwar nicht bettlägerig, sitzt aber am liebsten auf dem Balkon in der Sonne, sortiert seine Briefmarken oder schaut Fussballspiele. Das Gehen und auch das Waschen fällt ihm schwer. Meine beiden Eltern müssen zudem eine Reihe von Medikamenten einnehmen, gegen die üblichen Alterserscheinungen wie Bluthochdruck und so weiter.
Nun ist es in Deutschland gar nicht so einfach, eine Pflegerin zu finden. Klar, es gibt den Pflegeservice, der immer vorbei kommt, die Leute füttert, wäscht und wenn nötig auch spritzt, aber das ist bei uns ja noch gar nicht nötig! Wir brauchten eigentlich nur eine Art höhere Haushaltshilfe, die aber nach Möglichkeit immer erreichbar ist, da ich selbst oft im Ausland bin, meine Frau ziemlich gestresst ist und unsere Kinder, naja, die sind kaum in der Lage als Hilfe für solche Sachen zu dienen, die haben ganz andere Dinge im Kopf.
Deshalb kamen wir dann schließlich auch auf die Pflegekraft aus Polen. Ein Bekannter hat mir empfohlen, mal darüber nachzudenken, die Pfleger aus unserem östlichen Nachbarland wären sehr fleißig, gut ausgebildet und im Vergleich zu deutschen Fachkräften auch bezahlbar. Auch rechtlich ist das Ganze, wie wir bald herausfanden, kein Problem mehr, gelten doch seit 2011 die vollen Rechte zur Freizügigkeit in der EU.

Suchen und Finden

Aber wie findet man denn überhaupt eine Pflegekraft aus Polen? Im Internet gibt es eine Menge Angebote, etwa bei help4seniors und dergleichen, doch woher sollten wir wissen, wer für Qualität und wer nur für den Discountpreis steht? Also wandten wir uns zunächst an das Arbeitsamt, das aber – wie auch nicht anders zu erwarten – keine Hilfe war. Manchmal frage ich mich, wofür die dort tätigen Leute eigentlich bezahlt werden: Sie erwarten von den Arbeitslosen, dass diese sich selbst um Arbeit bemühen und wenn jemand eine Arbeitskraft sucht, in meinem Fall eben mal nicht von hier, dann sind alle heillos überfordert. Ich meine, es heißt doch „Arbeitsagentur“ – oder? Aber gut, egal, dann suchten wir eben weiter im Netz und fanden eben mit help4seniors einen Anbieter, der uns sympathisch war. Wir vereinbarten per mail ein Telefongespräch und teilten dem Mitarbeiter unsere Vorstellungen mit: Eltern noch nicht pflege-, aber stark hilfebedürftig, nach Möglichkeit wünschten wir eine Vollzeitbetreuung mit der Möglichkeit, in einer kleinen Einliegerwohnung zu wohnen, um im Notfall gleich für meine Eltern da sein zu können. Und Ihr werdet überrascht sein – schon die erste uns offerierte Dame wurde die unsrige! Das klappte alles schnell, absolut seriös und zuverlässig. Eine Woche nach dem Telefongespräch und dem Abklären der Formalitäten stand Gabriela vor unserer Tür! Sie sprach ein gutes Deutsch und legte sich sofort ins Zeug.

Eine echte Hilfe

In den ersten Tagen machte sie sich mit den Verhältnissen vertraut und meine Eltern waren begeistert. Meine Mutter kommt ursprünglich aus Schlesien, Gabriela aus Wroclaw, dem alten Breslau, und so ergeben sich ständig interessante Gespräche, an denen ich mich sogar manchmal beteilige. Es ist einfach spannend, den Leuten zuzuhören und dabei zu erkennen, wie wunderbar doch ein sich vereinendes Europa ist! Alle, die immer nur auf die EU schimpfen, sollten wissen: Das EU-Parlament wird von uns allen frei gewählt, wir haben keine nervigen Grenzen mehr und eine gemeinsame Währung und damit einen Markt. Früher hätten wir Gabriela wahrscheinlich niemals zusammen mit dieser Rechtssicherheit bekommen!
Wir zahlen jeden Monat um die 1800 Euro an die Agentur. Hinzu kommen die Kosten für Speis und Trank und für ihr Unterkunft. Dafür wohnt Gabriela gleich bei uns, wäscht und putzt und kocht und tut auch sonst alles, um meine Eltern zu entlasten. Allerdings ist sie als Polin nicht berechtigt, irgendwelche medizinischen Leistungen durchzuführen – die bei meinen Eltern aber auch noch nicht nötig sind. In diesem Fall, etwa zum Spritzen, müsste dann eine Pflegekraft einer deutschen Pflegefirma vorbeikommen. Ihr Job gilt lediglich als Haushaltshilfe, mal wieder so eine bürokratische Verirrung aus Brüssel und Berlin, denn Gabriela ist in der Altenpflege ausgebildet und beherrscht zur Not wirklich jeden Handgriff. Aber ich verstehe auch, dass man das hiesige Lohnniveau schützen will und muss und für viele Polen ist selbst ein für uns eher gering erscheinendes Gehalt eine gute Gelegenheit. Das ist wirklich eine gute Sache und wirklich empfehlenswert. Sie ist 24 Stunden da, wohnt gleich mit hier im Haus und versteht sich blendend mit meinen Eltern. Mein Vater, eher eine schweigsame Natur vom Lande, der früher am liebsten in der Morgenfrische aufs Feld ging, lebt nochmal richtig auf in den Gesprächen!
Durch den Vertrag mit der Agentur haben wir auch keinerlei rechtlichen Aufwand. Da wird alles geregelt, Urlaubs- und Arbeitszeiten (Wobei Gabriela nun wirklich nicht auf die Uhr schaut und oft genug am Abend mit meinen Eltern Karten spielt oder sich unterhält) sind genau festgelegt. Früher mussten die Leute auf der Suche nach einer polnischen Kraft oft illegale Umwege gehen, die Pfleger waren nicht versichert und so weiter und so fort. Das ist nun alles anders und hat uns wirklich sehr geholfen. Meine Eltern jedenfalls möchten Gabriela nicht mehr missen und wenn sie eines Tages eine stärkere, auch medizinische Betreuung benötigen, dann werden wir alles tun, um das hier bei uns durchführen zu lassen und Gabriela als Haushaltshilfe auf jeden Fall behalten.


Categorised as: 24 stunden krankenpflege


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