Männerträume – von Autos, von Motorrädern, dem Führerschein und Schicksalsschlägen

Standard

Meine Frau hätte es am liebsten gesehen, wenn unser Sohn an ihrem Rockzipfel geklebt hätte, wie ein Zweikomponentenklebstoff in ihrem Haar. So kam es mir damals vor, gewünscht hätte ich ihr die Erfahrung mit dem Kleber jedenfalls nicht. »Führerschein, nur wenn es sein muss.«, so lautete damals ihre Devise.

Geschätzt und gemessen – das Gefühl für das rechte Maß?

Für sie wahr ein Leben ohne die Erlaubnis für ihren Sohn denkbar. Dabei fuhr sie bis vor einem meannerautoJahrzehnt noch selbst. In jungen Jahren fuhr sie nach meinem Verständnis schwungvoller wie ich. Das geht gar nicht. Darüber ärgere ich mich noch heute. Das muss gleich als Gesprächsstoff auf den Tisch.

Gespräche bei Tisch – aus dem Nähkästchen plaudern

Früher haben wir darüber nie gesprochen. Gut, dass ich mich, dank unserer polnischen Gabriela da vollkommen gewandelt habe. Meine Frau liebt die Diskussionen mit mir. Und ich, die mit ihr.

Gut, ich hatte dafür Verständnis, war doch in der Nachbarschaft der Sohn und die Tochter bei einem einzigen, tragischen Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Nur das hatte mit der Lebenswirklichkeit nichts zu tun. Dabei hätte auch ein Fußgänger ums Leben kommen können.

Fußbewegungstauglichkeitsprüfung und die Formen terrestrischer Fortbewegung

fussball fuer maennerDer Fußgänger braucht jedoch bis heute keinen Führerschein, es sei denn, die Politik nimmt die Ideen eines Kabarettisten für bare Münze und führt die Fußbewegungstauglichkeitsprüfung zwecks terrestrischer Fortbewegung ein.

Wird Zeit, dass wir wieder einen Ausflug machen, ich brauche unbedingt eine Luftveränderung. Ich weiß zurzeit auch nicht genau, was mit mir los ist. Am liebsten würde ich mit meiner Frau und auch mit Gabriela eine Weltreise buchen. Die Muse, meine Frau und ich, der Künstler? Darf ich im Alter nicht denken, was ich will? Naja, ein bisschen »ver-rückt« darf ich die Dinge schon sehen. Verrückt bin ich noch lange nicht.

Hightech auf dem platten Land – Hochgenuss und Wissendrang bei Betagten

Gut, dass Gabriela uns zum Internetanschluss bewegt hat. Mein Sohn hatte wohl bedenken, dass wir dafür zu alt sind. Der liegt wohl auf der Couch, wenn er von seinen Reisen zurückkommt? Ich zeige ihm mal, was ich damit alles machen kann, wenn er nächstes Mal kommt. Gabriela hat inzwischen ein Auto, vielleicht können wir ja zur Abwechslung meinen Sohn und seine Frau zuhause überraschend besuchen.

Mit 90 ist das Leben noch nicht am Ende. – aufleben, überleben, Neuanfang

Bevor ich einhundert Jahre alt werde, will ich auch die Wohnungen meiner Enkel inspizieren. Hoffentlich haben die Enkel W-LAN, andernfalls kann ich gleich hierbleiben oder mein Smartphone zu Hause lassen. Gabriela und ihr Freund haben mir und meiner Frau jeweils ihr altes Gerät zu unserem Hochzeitstag geschenkt.